Das Johann-Hus-Denkmal auf dem Altstädter Ring

Das Monument, dass man auf dem Altstädter Ring sicher nicht übersehen kann, ist das Denkmal des Meisters Johannes Hus. Es wurde im Jugendstil angefertigt nach dem Entwurf des berühmten tschechischen Bildhauers Ladislav Šaloun. Im Jahre 2015 hat es seine Hundert Jahre gefeiert.

Die reife Zeit um 1890

Die Geschichte des Denkmals spiegelt eine interessante und wichtige Zeit in der Geschichte des Tschechischen Volks. Die Zeit des „Denkmalfiebers“ war ein Teil der sog. Nationalen Wiedergeburt (in der ging es um die Festigung der Tschechischen Kultur und Festlegung der Tschechischen Sprache gegenüber der Deutschen Sprache, es war in der 2. Hälfte des 19. Jh.). Und zweitens hat die Geschichte der Entstehung des Denkmals die politischen und religiösen Konflikte in der Tschechischen Gesellschaft gespiegelt. Denn, die Persönlichkeit von Johannes Hus gehört unwiderruflich zur Tschechischen Geschichte…aber was man in dieser Persönlichkeit sieht, kann sich bei verschiedenen Gesellschaftsgruppen sehr unterscheiden!

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Johann (auf Tschechisch Jan) Hus hatte damals in Tschechien schon 19 Denkmäler, das älteste aus dem Jahre 1872 in Jičín (Jitschin). Der Hus in Prag sollte anders sein. Der Bildhauer Šaloun hat ihn als Symbol geplant. Als Symbol des Gipfels der Tschechischen Geschichte, steht er auf dem höchsten Punkt des Glücksrads, welches sich dann für die Tschechen wieder ins Unglück gedreht hat.

Der Prediger der Glaubensfreiheit

Jan Hus wurde im Jahre 1370 geboren. Er war ein Gelehrter, ein Theologe, der zeitweise auch Rektor der Karlsuniversität war. Er war auch Beichtvater der Königin Sofie von Bayern, die die Gemahlin des Tschechischen Königs Wenzels des IV. war. Wie wir im Artikel über die Statuen auf der Karlsbrücke beschreiben, war die Königin Sofie und ihr Beichtvater eine Grundlage für eine wichtige Prager Legende! In der Zeit von Jan Hus  ist das Reichtum und Macht der Kirche sehr gewachsen. Jan Hus hat vieles getan, was den hochstehenden Persönlichkeiten der Kirche nicht gepasst hat: er hat auf Tschechisch gepredigt, er hat sich gegen den weltlichen Besitz der Kirche geäussert, er war gegen Ablässe, er war für die Gewissensfreiheit und – nach ihm war die einzige Autorität die Bibel! Seine Inspiration war John Wiclyf  aus England. Hus selber beinflusste dann Martin Luther. Er wurde im Jahre 1415 auf dem Scheiterhaufen in Konstanz verbrannt, weil er seine Lehre nicht abrufen wollte.

Mit seinem Tod war die Geschichte aber noch nicht vorbei. Gegenseitig. Nach seinem Tod kam es im Lande zu Unruhen und der Zeit der sog. Hussitischen Kriege. Es dauerte Jahrhunderte, bis der protestantische Glaube durch die Habsburger und deren zum Pflichtglauben gemachten Katholizismus ersetzt wurde.

Das Denkmal als Symbol

Die Idee, dass Johann Hus ein Denkmal in Prag haben sollte, ist in der tschechischen nationalliberalen Partei noch in der Zeit des Österreich-Ungarns entstanden. Es war eigentlich ein Protest gegen die Äusserung des Prinzen Karl Schwarzenbergs, der gesagt hat, dass die Hussiten eine Verbrecher- und Brandlegerbande waren. Schon im Jahre 1891 wurde der erste Wettbewerb für den Entwurf des Denkmals ausgeschrieben. Die Idee hatte jedoch seit dem Anfang sehr viele Feinde, z. B. in den katholischen Kreisen, in Wien, oder bei den Tschechischen Deutschen. Die haben den Hus nicht als ein religiöses Symbol wahrgenommen, sondern als ein nationales.

Erst später wurde entschlossen, dass das Denkmal auf dem Altstädterring stehen soll und auch, dass der Entwurf von Ladislav Šaloun der siegende ist. Die Grundsteinlegung am 6. Juli 1903 war eine riesige Nationalfeier.

Das Hus-Denkmal um 1960. Im zweiten Weltkrieg wurde vor dem Denkmal ein Löschwasserbecken gebaut, das hier noch sichtbar ist. Quelle: Zdeněk Hojda/Jiří Pokorný: Pomníky a zapomníky, Nakl. Paseka 1996.

Das Denkmal nimmt eine Fläche von 900 m2 und es hat das Aussehen vom Altstädterring sehr verändert. Auch deswegen hatte diese Platzierung sehr viele Gegner, sogar im Klub für das Alte Prag. Heute finden wir das Denkmal ein selbstverständliches und organisches Teil des Altstädterrings. Wir sehen da Jan Hus hervorragen, auf der Seite zur Teinkirche ist die Gruppe der Hussiten neben ihm, auf der Seite zum Rathaus die Gruppe, die die Gesellschaft nach dem Jahre 1621 darstellt. 1621 war das Ende der Hoffnung, dass das freie Denken auch weiterhin im Lande herrschen könnte. Darüber können Sie mehr von unseren Stadtführern erfahren, z. B. während der Führung durch die Altstadt.

„Mein Hus ist nicht eine reale Person, sondern eine riesige, geistige Erscheinung. Er muss das tschechische Volk zum Selbstbewusstsein…, zum Ideal eines höheren nationalen Lebens rufen.“  – Soweit Ladislav Šaloun über sein Hus-Konzept.

 

 

 

 

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